„Schmeckt das geil!“ Meine Frau kann es nicht fassen. Schon seit ein paar Tagen habe ich sie genervt mit meiner Idee, einen Pulled Pinkel Burger zu erschaffen.
Pinkel ist eine fette Wurst mit Schweinefleisch und Hafergrütze, die im Oldenburger Land zum Grünkohl gegessen wird. Und die einzige Wurst, die meine Frau überhaupt isst.
„Wie soll das denn schmecken? Auch mit Grünkohl? Und der auch noch roh?“ Meine Frau ist ja manchmal neuen Dingen gegenüber nicht sehr aufgeschlossen. Grünkohl nicht zerkocht und ohne Kartoffeln. Nein das kann sie sich nicht vorstellen.
Ich schon, das Rezept steht weitestgehend in meinem Kochhirn bereit. Lediglich frischer Grünkohl ist noch nicht zu haben. Einige erfolglose Besuche auf dem Markt habe ich schon hinter mir. Warum gibt es denn noch keinen Grünkohl. Jetzt, Mitte Oktober, stehen im Supermarkt doch auch schon lange die Weihnachtssachen rum. Ich glaube, bald kommen die Schoko-Osterhasen. Ja ich weiß, erst Frost dann Grünkohl.
Trotzdem laufe ich jeden Tag auf den Markt. Und endlich finde ich einen kleinen Bio-Stand mit dem ersten Grünkohl.
Das Warten hat ein Ende.
„Morgen,“ sage ich, „gibt es den Pinkel Burger.“ Meine Frau verdreht die Augen und überlegt schon, ob sie mal wieder eine Dose Ravioli aufmachen soll.
Für die Brötchen, also die Buns, wie man heute sagt, mische ich zunächst 250 Gramm Mehl Type 550 mit einem dreiviertel Päckchen Trockenhefe. Dazu kommen 30 ml Milch, 80 ml warmes Wasser, 40 Gramm geschmolzene Butter und ein Ei. Ein halber Teelöffel Zucker und eine gute Prise Salz, sollen den Geschmack abrunden. Den Teig knete ich zunächst mit dem Mixer und dann von Hand fünf Minuten kräftig durch. Nun kommt der Teig in der Schüssel, die mit einem feuchten Tuch abgedeckt ist, bei 40 Grad in den Ofen. Ich habe keinen anderen warmen Platz.
Den Grünkohl wasche ich sehr gründlich, da sich gerne in den krausen Blättern der Dreck versteckt. Alles sauber? Trocken tupfen.
In einem Topf mit Olivenöl, dürfen sehr dünne Ringe einer Gemüsezwiebel braun schmurgeln.
Fehlt noch das, was beim beherzten Reinbeißen in den Burger, am Kinn herunter läuft. Also die Soße. Leicht muss sie sein und frisch. Einen Gegenpunkt setzen zur fetten Pinkelfüllung. Saure Sahne, süßer und mittelscharfer Senf bilden die Grundlage. Tabasco gibt Schärfe, Tomami, eine Würze aus Tomaten, gibt Zeng. Und Salz und Pfeffer runden das ganze ab. So kann es am Kinn runterlaufen.
Dann fällt mir ein, dass ja auch ganz feine Apfelscheiben dazu passen könnten. Mit dem Trüffelhobel schneide ich einen Apfel mit Schale in ganz feine Scheiben und lege diese in Zitronensaft und weißem Balsamico ein. So kann der Apfel nicht braun werden.
Der Teig ist aufgegangen und so knete ich ihn noch mal kräftig durch. Aus dem Teig forme ich sechs Kugeln, die ich auf dem Blech bzw. auf dem darauf liegenden Backpapier etwas plattdrücke. Der Teig darf nun im Ofen nochmal 45 Minuten gehen. Das tut er aber eher schlecht. Irgendwas habe ich wohl falsch gemacht.
Ich hole die Dinger nochmal aus dem Ofen und streiche verquirltes Eigelb drauf und brösele schwarzen Sesam darüber.
Wieder ab in den Ofen und auf 200 Grad gedreht. Wecker auf 18 Minuten. Und siehe da, die Dinger gehen doch noch etwas auf und liegen rund und glänzend auf dem Blech.
Die Pinkel-Würste haben bereits 40 Minuten in fast kochendem Wasser gebadet und ein Teil ihres Fettes ins Kochwasser abgegeben. Die Badezeit ist auch notwendig, damit die Hafergrütze in den Würsten, Wasser aufnehmen und weich werden kann.
Alles fertig?
Brötchen aufschneiden, Soße auf das Bodenteil streichen, Apfelscheiben und Grünkohlblätter drauf. Dann kommt das aus der Pelle gepulte Pinkel-Fleisch darauf. Zwiebeln drüber, noch mal satt Soße, Deckel drauf.
Reinbeißen.
Noch mit vollem Mund sagt meine Frau: „Schmeckt das geil!“
Die Mischung aus Äpfeln, fruchtig frischer Soße und dem eher zurückhaltenden aber dennoch erschmeckbaren Kohlgeschmack, der würzigen Pinkel und den Zwiebeln harmoniert unglaublich gut. Und das ganze in dem zarten, leichten Brötchen. Perfekt.
Selbst ich, als aktiver und bekennender Burger-Verschmäher, bin begeistert.
Beste Reste
Hey Heiner…coole Idee!!! Schmeckt bestimmt nicht schlecht…!!! Warum meldest Du dich nicht zu den „Grünkohl-Weltmeisterschaften“ an. ODER, hast Du das schon..???
Wenn nicht, können wir da ja mal vorbeischauen. Bin gespannt, was es da so gibt. ARNO
Hallo Arno,
für die Grünkohl-WM habe ich mich bereits angemeldet. Nun musst Du Daumen drücken, dass ich mitmachen darf.
Gruß Heiner