sie gehört zur Familie

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Ich besitze noch einige Dinge und Gerätschaften, die ich als Jugendlicher oder junger Mann bekommen habe. Dazu gehört meine AEG Schlagbohrmaschine, die ich zur Konfirmation bekommen habe. Sie versieht noch heute Ihren Dienst. Oder eine Musikkassette von Rod Steward. Auch wenn ich gar kein Gerät mehr besitze, mit dem ich sie abspielen könnte. Die hatte ich von einer meiner, leider erfolglos, Angebeteten bekommen.

Und ich besitze noch eine KM 32 von Braun. Was das ist? Die Kult-Küchenmaschine der 60 er, 70er und 80er Jahre. Vor etwa 35 Jahren habe ich so eine Maschine endlich bekommen.

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die schöne KM 32

Etwas enttäuscht war ich damals beim Auspacken. Sie war etwas kleiner als die Maschine, die meine Mutter hatte. Und meine heutigen Recherchen haben ergeben, dass meine Mutter wohl die Profiausführung hatte. Und ich habe halt die für den Haushalt bekommen. Aber sie hat immer tadellos ihren Dienst getan. Auch heute kommt sie noch zum Einsatz.

Für Spätzle-Teig

leichte Arbeit
leichte Arbeit

und Pinkelwurst-Füllung.

schon schwerer
schon schwerer

Oder Kuchenteig. Oder Brotteig.

Ein Schnitzelwerk raspelt Gemüse und im Mixeraufsatz entsteht köstliches Mus. Das würde heute sicher Smoothie heißen. Auch wenn sie manchmal unter der Arbeit etwas zu leiden scheint. Wenn es Ihr zu viel wird, gibt sie zum sowieso nicht gerade leisen Motorengeräusch, auch gerne noch ein paar weitere Geräusche ab.

jede Ansicht fasziniert
jede Ansicht fasziniert

Oder sie lässt das Ritzel, das am Rand der Schüssel, eben jene dreht, durchrutschen. Kurz um, sie gibt mir deutlich zu verstehen, dass sie der schweren Arbeit überdrüssig ist und nur noch gelegentlich und für leichte Aufgaben, zum Einsatz kommen will. Ich versuche natürlich, meiner geliebten Maschine diese Wünsche zu erfüllen.

auch von oben schön
auch von oben schön

Und lobe sie auch ausgiebig, wenn sie ihre Arbeit wieder zuverlässig erledigt hat. Natürlich hat die Zeit und der harte Arbeitsalltag auch seine Spuren an meiner KM 32 hinterlassen. Ein Sprung im Gehäuse zeugt von einer unsanften Landung auf dem Küchenboden. Macken an der Außenseite der Schüssel zeugen von unsanften Begegnungen mit anderen Küchengerätschaften. Die Farbe hat sich an einigen Stellen verändert und wenn ich mir die Ritzel und Mitnehmer genauer ansehe, wird schnell klar, dass ihre Forderung nach etwas mehr Rücksicht nicht nur Faulheit sondern einfach überlebensnotwendig ist. Die Oma mit künstlichen Hüftgelenken, wird man ja auch nicht mehr allzu schwer tragen lassen. Nach getaner Arbeit, muss sie nicht gleich wieder in den Küchenschrank. Scheint die Sonne, sitzt sie gerne ein wenig auf der Terrasse und genießt die Wärme auf ihrem alten Körper.

sie sitzt gerne auf dem Sofa
sie sitzt gerne auf dem Sofa

Oder sie sitzt auf dem Sofa und schaut Fern. Aber sie will keine Kochsendungen sehen. Der Lafer ist ihr zu arrogant, der Henssler zu hektisch und dieser Mälzer, nein, der kann nicht kochen. Meint sie. Und am Perfekten Dinner ist sie auch nicht interessiert. Da kommt immer dieses amerikanisch Kitchen-Ding oder der Multimix vor. Das hat doch mit Kochen nichts zu tun. Meint sie. Nur in der Woche im letzten Jahr, als ich mitgemacht habe, war sie jeden Abend gebannt dabei. Nein, am liebsten sieht sie Tierfilme. Da kann sie in fremde Welten eintauchen und den Alltag vergessen. Am Sonntag darf es aber auch mal der Tatort sein. Und seit vor ein paar Wochen ihr Enkel bei uns eingezogen ist, ein schöner junger Braun-Handmixer, genießt sie die Zeit noch viel mehr. Der Pürierstab darf aber nicht mit aufs Sofa. Der ist von Bosch. Und wenn sie dann, zutiefst zufrieden, spät abends liebevoll von mir in ihren Schrank gebracht wird, genießt sie die Ruhe bis zum nächsten Einsatz.

Sie gehört eben zur Familie, meine KM 32.

das letzte Bild für heute
das letzte Bild für heute

 

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